Texten fürs Web

wie man am besten Texte für Websites schreibt

„Content is King“ – ohne Inhalt kein Nutzwert. In der Regel wird es sich um Text handeln, falls es nicht eine bildlastige Website handelt. Aber wie soll der Text optimal geschrieben, strukturiert und aufbereitet sein? Das wird im Folgenden erklärt. Dabei wird vorrangig auf Lesegewohnheiten von Menschen eingegangen

Was macht den Unterschied?

Internetseiten sind kein Buch. Es gibt (noch) deutliche Unterschiede. Daher sollten der Schreibstil und die Aufbereitung der veränderten Lesegewohnheit von Internet-Nutzer angepasst sein.

Die Forschung der letzten Jahre belegte Tendenzen und Gewohnheiten, die zeigen, wie Online-Informationen am besten aufbereiten und dargestellt werden. Festgestellt wurde:

  • ca. 80% der Leser überfliegt nur Internet-Seiten, anstatt diese komplett zu lesen
  • Lesen per Bildschirm ist ca. 25% langsamer als auf Papier (schlechtere Auflösung des Mediums)
  • Nutzer lesen auf mehreren Seiten gleichzeitig und springen schnell von einem Browserfenster zum nächsten

Leser haben eine kurze Zeitspanne der Aufmerksamkeit. Sie tendieren dazu, eine Seite zu verlassen, wenn diese nicht mit ein paar wenigen Klicks die erwarteten Informationen liefert. Das hat folgende Gründe:

  • leicht zugängliche ähnliche Angebote
  • Wunsch nach schnellen Antworten
  • Informationsüberlastung
  • unter Umständen langsamer Seitenaufbau und Downloads

Texte sind die Königsdisziplin bei Content

Das wichtigste Element einer Website ist der Inhalt – das sollte der Betreiber immer vor Augen haben. Ein schönes Design und eine hübsche Animation beeindrucken kurzzeitig. Wenn keine gewünschten Inhalte vorgefunden werden, ist es sehr unwahrscheinlich, dass ein Besucher verweilt, bzw. jemals wieder zurückkommt.

Dabei kommt es nicht nur darauf an, Informationen anzubieten, sondern auch wie diese organisiert und strukturiert sind. Selbst wenn alles an Informationen auf Ihrer Website vorhanden ist: wenn diese nicht gefunden werden, ist es so, als ob diese nicht existieren würden.

Vorüberlegungen vor dem Schreiben

Das Zielpublikum im Fokus

Machen Sie sich klar, für wen Sie schreiben. Sie schreiben nicht für sich, sondern für eine Zielgruppe, deren Sprachstil Sie treffen sollten.

Es ist wesentlich, dass Sie Ihr Publikum kennen und den passenden Ton, Stil und Sprachgewohnheit treffen. Knüpfen Sie an den Erfahrungen Ihres Zielpublikums an. Das gibt Ihrem Publikum das Gefühl, dass der Text nur für Sie geschrieben worden ist. Wenn Sie Pech haben, haben Sie verschiedene Zielgruppen – entscheiden Sie sich für die wichtigste und orientieren Sie sich daran!

Ziel der Website

Das Ziel Ihrer Website sollte auf der Startseite sofort ersichtlich sein. Leser, die zufällig auf Ihrer Website „stolpern“ sollten innerhalb kürzester Zeit das Ziel Ihrer Website erkennen können. Seien Sie sich im Klaren über den Zweck und Ziel Ihrer Internetseiten. Wenn Sie kein Ziel haben, weshalb sollten Sie die Informationen dann überhaupt online stellen?

Machen sie sich klar:

  • Für wen sind die Informationen relevant
  • Was ist die „Message“, die Sie übermitteln wollen
  • Ist es das, was der Leser wissen möchte oder ist es eher das, was sie dem Leser sagen wollen

Aufgabe: Überprüfen Sie die Startseite, ob dort in den ersten Sätzen das Ziel der Website deutlich wird. Nein, ihr Leser ist nicht so motiviert, dass er die ganze Seite durchlesen möchte um dann noch über das Ziel zu spekulieren. Haben Sie Ihr Ziel auf die Startseite gepackt (werfen sie das „herzliche Willkommen“ bei der Gelegenheit gleich raus – das ist vollkommen nutzlos) schnappen Sie sich ein paar Menschen, die ihrer gewünschten Zielgruppe entsprechen und zeigen diese einen Ausdruck der ersten Seite ihre Website und fragen diese, was das Ziel der Website ist. Kommen dort überraschende Antworten heraus, ist das Ziel noch nicht klar genug für die Zielgruppe formuliert. Also noch einmal!

Inhalte für das Internet schreiben

Stil: 7 Tipps

Einige generelle Punkte für einen guten Stil für Internetseiten, die in der Regel für alle Zielgruppen passen:

  1. Fassen Sie sich kurz – nutzen Sie nur die Hälfte der Worte wie für Publikationen auf Papier
  2. Verwenden Sie wenn möglichst aktive Verben
  3. Verwenden Sie normales Deutsch und bleiben Sie objektiv. Inhalt, der sich wie eine Werbebroschüre liest wird schnell unglaubwürdig und dann übergangen
  4. Verwenden Sie einen neuen Absatz für jeden neuen Inhalt. 1 Idee pro Absatz.
  5. Schreiben Sie kurze Sätze
  6. Verwenden Sie nach Möglichkeit keine Links innerhalb des Textes – diese lenken den Leser ab. Einfach die Links am Ende des Textes hinzufügen. Der anklickbare Text für einen Link sollte exakt beschreiben, was sich dahinter verbirgt.
  7. kein „hier klicken“ – Sie können nicht davon ausgehen, dass der vorherigen Text gelesen wurde bzw. es exakt klar ist, auf was sich nun der Link aus dem vorherigen Text beziehen könnte.

Ziel sollte es sein, einen gleichbleibenden Stil im gesamten Internetauftritt zu haben. Wenn mehrere Personen Informationen beitragen, ist es wahrscheinlich, dass verschiedene Schreibstile dem Leser serviert werden. Dies beeinflusst die Glaubwürdigkeit der Seite und den Eindruck, den die Leser gewinnen. Stil-Richtlinien helfen, dies zu vermeiden. Also Stil-Richtlinien für alle die an einer Website schreiben aufstellen!

Aufgabe: Lesen Sie selber Ihre komplette Website und achten auf einen durchgängigen Stil. Besser ist: geben Sie Ihre Webseite jemanden aus ihrer Zielgruppe (bestechen Sie ihn mit irgendwas) und mit der Aufgabe, alle Texte der Website zu lesen und auf Brüche im Stil zu achten. Am besten als Ausdruck, damit der Leser gleich Anmerkungen an der entsprechenden Stelle notieren kann. Wenn Sie es sich leisten können, dann am besten mehreren Menschen.
Noch besser: einem Korrekturdienst mit der Anweisung, auch auf den Stil zu achten. Das kostet zwar ein paar Euro, aber dadurch werden auch gleich Rechtschreibfehler aufgedeckt.

Überfliegbaren Inhalt

Untersuchungen haben gezeigt, dass rund 80% der Leser Internetseiten nur überfliegen auf der Suche nach Informationen, die sie benötigen. Sie können ein paar grundsätzliche Hilfen anbieten, um das zu unterstützen:

  • Geben Sie jeder Seite einen aussagekräftigen Titel
    Behalten Sie in Erinnerung, wie viele Zeichen unter dem „Zurück“-Button des Browser angezeigt werden.
  • Lange zusammenhängende Texte sind nicht angenehm zu lesen – weder am Bildschirm noch ausgedruckt. Also Bleiwüsten vermeiden. Unterteilen Sie Texte sinnvoll mit Überschriften, Unterüberschriften und kurzen Absätzen.
  • Pro Absatz sollte nur ein Inhalt (eine Idee, eine Ausführung) enthalten sein. Das macht das Lesen und das Überfliegen von Text auf die relevanten Inhalte möglich. Natürlich kann es dann vorkommen, dass ein Absatz nur aus einem Satz besteht. Aber geben Sie Ihren Lesern diesen Komfort und der Leser wird es zu schätzen wissen.
  • Aufzählungen sind besser als lange Sätze. Wenn Sie Inhalt als eine Aufzählung darstellen können, dann nutzen Sie eine Aufzählung.
  • Hervorhebungen von wichtigen Inhalten im Text sind gut um die wesentlichen Punkte in einem Text darzustellen. So bekommt der Leser schnell den Überblick, wo der für ihn wichtige Inhalt steht. Aber gehen sie mit Hervorhebungen sparsam um. Nur wirklich wichtige Bereiche hervorheben. Wichtig ist: niemals Hervorhebungen in kursiver Schrift (schräggestellt), sondern in fetter Schrift.

7 Tipps für das Schreiben bei einem Medium mit geringer Auflösung

Webseiten werden in der Regel auf Monitoren gelesen. Die meisten Monitore haben eine wesentlich geringere Auflösung als Drucke auf Papier. Monitore arbeiten mit einer Auflösung zwischen 72 und 100 dpi (Dots per inch). Verglichen mit Papier ist also die Auflösung sehr gering. Gedruckter Text hat in der Regel 300 dpi. Das ist auch ein Grund, warum das Lesen direkt am Monitor 25% langsamer ist als auf Papier.

Auch deshalb sollte der Inhalt einfach zu lesen sein.

  1. Text linksbündig ausrichten (niemals als Blocksatz, dazu ist die Auflösung zu klein und es entstehen unschöne ungleichmäßige Zwischenräume, da Silbentrennung in den meisten Browsern noch nicht unterstützt wird)
  2. Linienlänge kurz halten. Es sollten pro Zeile zwischen 7 und 12 Wörter angezeigt werden (je nach Wortlänge). Wird die Zeile länger, ist der Weg für das Auge zur nächsten Zeile zu lang und es wird anstrengend, den folgenden Zeilenanfang zu finden
  3. Absätze nutzen – keine Bleiwüsten erstellen
  4. Keine kursiven (schräggestellten) Hervorhebungen (kursiv verringert die Lesegeschwindigkeit am Bildschirm deutlich)
  5. Keine Unterstreichungen! Unterstreichungen sind nur für Links vorgesehen. Aber nicht nur deshalb dürfen keine Unterstreichungen verwendet werden. Durch Unterstreichungen werden die Unterlängen von Buchstaben (z.B. das kleine g) angeschnitten und somit der Wortumriss zerstört. Und dieser Wortumriss ist wichtig für schnelles Lesen, da geübte Leser ganze Wörter am Umriss erkennen.
  6. Hervorhebungen durch fette Schrift sparsam einsetzen.
  7. Die Farbe des Textes mit Bedacht auswählen.
    • Text in blau kann schnell mit Links verwechselt werden
    • Der Kontrast zwischen Hintergrund und Text muss hoch genug sein, um eine gute Lesbarkeit zu ermöglichen

Seiteninhalt strukturieren

Detailtiefe der Inhalte

Nicht jeder Leser weiß genau, nach was er sucht. Nicht jeder Leser benötigt dieselbe Informationstiefe. Die Art, wie die Informationen strukturiert sind, sollte das berücksichtigen. Bewährt hat Sie nach der Hauptüberschrift ein kurzer in 2-3 Sätzen umfassender Überblick über den Inhalt der Einzelseite. Wissenschaftlich nennt sich das „Advance Organizer“ und wurde bereits in den 1960er Jahren von David Ausubel erforscht.

Nach diesem Einstieg kann der eigentliche Inhalt kommen. Zum schnelleren Überfliegen des Inhaltes nach für den Leser relevanten Inhalten helfen Randbemerkungen (nach David Ausubel „Concurrent Organizer“) und eine entsprechende Darstellung.

Wenn Sie über die Struktur einer Informations-Seite nachdenken, rufen Sie sich die Machart von Zeitungen in Erinnerung – dort wird in der Form der umgekehrten Pyramiden geschrieben. Die Überschrift gibt dem Leser einen Hinweis und Leseanreiz von der kommenden Geschichte. Der Aufreißer gibt dem Leser die Schlüsselpunkte, der zweite Absatz bringt mehr Detail und so weiter. Der Leser kann jederzeit mit dem Lesen aufhören und hat trotzdem einen groben Überblick über den Artikel.

Ähnlich geht es uns mit dem größten Teil unseres Zielpublikums. Diese haben nur eingeschränkt Interesse an unserem Inhalt. Das kann an verschiedenen Faktoren liegen:

  • eingeschränkte verfügbare Zeit
  • nur Interesse an einem Grundverständnis
  • größeres Interesse an einem verwandten aber unterschiedlichen Bereich

Um dies zu berücksichtigen, versuchen Sie den Inhalt entsprechend aufzubereiten und zu strukturieren:

  • aussagekräftige Überschrift
  • erster Absatz als Überblick
  • die Hauptpunkte (z.B. Hervorhebungen im Text)
  • Unterpunkte
  • Interesse an Details (Kennzeichnung der Details)
  • Interesse an weiterführende Informationen – unter Umständen der Zeitpunkt für externe Links

Dies wird nicht immer möglich sein, abhängig von der Zusammensetzung des Inhaltes. Es sollte jedoch immer möglich sein, einen inhaltlich bedeutungsvollen Titel und eine Anfangs-Zusammenfassung anzubieten.

Kontext, Zusammenhang

Ein Text bzw. Einzelseite sollte auch noch einen Sinn ergeben, wenn er einzeln, also nicht im Zusammenhang der Website gezeigt wird. Sie können sich nicht sicher sein, dass der Leser die Informationen über Ihre Website erhält - stellen Sie sicher, das die Bedeutung erhalten bleibt auch ohne den Zusammenhang mit dem Rest der Website.

Qualität und Glaubwürdigkeit

Sie können das Datum der Erstellung des Textes angeben. Das ermöglicht dem Leser das Einschätzen der Qualität und Relevanz für ihn und ob der Inhalt noch die entsprechende Aktualität hat. Bei manchen Inhalten (z.B. Bibel) bleibt die Relevanz unabhängig vom Datum der Veröffentlichung bestehen – andere Inhalte benötigen ein Datum (z.B. Forschungsergebnisse). Das ist eine Entscheidung, die Sie treffen müssen, da es natürlich entsprechend Folgeaufwand bedeutet, Inhalte von Zeit zu Zeit zu kontrollieren und zu überarbeiten. Vorteil davon ist, dass Sie zum Datum der Veröffentlichung noch das Datum der Überarbeitung aufführen sollten/können, was die Glaubwürdigkeit erheblich steigern kann.

Rechtschreibfehler

Achten Sie auf die Rechtschreibung. Rechtschreibfehler haben mehrere Nachteile:

  • verlangsamen das Lesen sehr
  • selbst wenn der Inhalt 100% korrekt ist, wird dieser wegen schlampiger Rechtschreibung schnell angezweifelt

Auch wenn man selber kein Held in Rechtschreibung ist, ein Korrekturservice kostet nicht die Welt und bringt unter dem Strich wesentlich mehr, als er kostet.

Zu guter Letzt

Und nun viel Spaß beim Schreiben für das Internet. Vergessen Sie aber beim Schreiben nicht eine Prise Humor einzusetzen. Das hilft, um aus guten Texten hervorragende Texte zu machen.